KRISENMANAGEMENT-BLOG

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Untreue, Betrug, Korruption - Wie Sie auf Verdachtsfälle reagieren sollten

Mitarbeiterkriminalität: 10 Sofortmaßnahmen bei Verdacht eines Rechtsverstoßes durch einen Angestellten

Unzufriedene oder unter Druck stehende Mitarbeiter können zum Risiko werden (Foto: Pixabay)

Der Werdegang vom Angestellten zum Schädiger des Unternehmens ist meistens schleichend und geräuschlos, wie folgendes Beispiel aus unserer Compliance-Beratung veranschaulicht: Eine Angestellte in der Buchhaltung entdeckte, dass Rechnungen bis zu einem bestimmten Betrag nicht dem Vier-Augen-Prinzip unterliegen. Sie ließ ihren Mann eine fiktive Rechnung über einen kleinen vierstelligen Betrag stellen, um die fällige Rate für das gemeinsame Haus zahlen zu können. Der Betrug blieb unbemerkt und weitere gefälschte Rechnungen folgten. Am Ende summierte sich der Schaden für das Unternehmen durch die kriminelle Mitarbeiterin auf einen hohen sechsstelligen Betrag.


Vorfälle wie dieser ereignen sich tausendfach jedes Jahr in Deutschland. Untreue, Betrug und Korruption führen zu Milliardenschäden der deutschen Wirtschaft. Oft sind es unzufriedene Mitarbeiter oder Fach- und Führungskräfte die unter internem oder persönlichen wirtschaftlichen Druck stehen. Dann werden zum Beispiel Bestechungsgelder bei der Auftragsvergabe angenommen oder Zahlungen auf eigene Konten umgeleitet. Häufig handeln schädigende Angestellte auch in der Absicht, dem Unternehmen zu helfen, wenn sie beispielsweise Dokumente für Behörden fälschen, um eine Projektfreigabe zu erhalten oder Preise mit Wettbewerbern absprechen.


Doch wie sollten Entscheidungsträger im Krisenmanagement reagieren, wenn sie zum Beispiel durch den Hinweis eines Whistleblowers (anonymer Hinweisgeber) den Verdacht schöpfen, ein Mitarbeiter könnte einen Regel- oder Rechtsbruch - Juristen sprechen auch von einem Compliance-Verstoß - begehen? Unsere Checkliste gibt eine erste Orientierung:

  1. Alle Verdachtsgrundlagen zusammentragen: Durch wen (offen oder anonym) wird der Vorwurf erhoben? Gegen wen richtet sich der Vorwurf? Einzelne Mitarbeiter, Abteilungen oder gegen das ganze Unternehmen? Wer hat Kenntnis von dem Vorwurf? Gab es in der Vergangenheit ähnliche Hinweise und wie wurden sie bearbeitet?

  2. Erste Faktenprüfung vornehmen: Sind die dem Vorwurf zugrundeliegenden Fakten unmittelbar auszuschließen (also eindeutig haltlos) oder ungewiss?

  3. Untersuchungsgruppe zusammenstellen (bei unklarer Faktenlage): Darin sollten die Personalabteilung, die Rechtsabteilung, der ggf. vorhandene Compliance-Beauftrage und externe Spezialisten in Form eines Krisenstabs vertreten sein; alle Informationen sollten zunächst nur in diesem Kreis bleiben (idealerweise digital und vertraulich über eine Plattform-Lösung wie unsere Alarmierungs- und Krisenmanagement-Software CasePilot)

  4. Betroffene Arbeitsprozesse identifizieren, in deren Bearbeitung der mutmaßlich schädigende Mitarbeiter eingebunden ist

  5. Sofortige Sicherung von Dokumenten und elektronischen Daten: Unbedingt Beweisverluste oder Veränderungen des Bestands vermeiden; dafür Verdunkelungsmaßnahmen aktiv verhindern

  6. Interessen von Kunden und Geschäftspartnern schützen (Finanzen, Betriebsgeheimnisse, Reputation etc.)

  7. Arbeitsrechtliche Aspekte (z.B. Freistellung des Mitarbeiters) prüfen

  8. Kommunikationsstrategie für den Fall entwickeln, dass der Compliance-Verstoß öffentlich wird (in unserem Blogbeitrag zur Krisenkommunikation erfahren Sie mehr hierzu)

  9. Externe Ermittlungsbehörden hinzuziehen (z.B. Polizei, Staatsanwaltschaft) bei hinreichendem Tatverdacht

  10. Alle Schritte / Maßnahmen der internen Untersuchung lückenlos dokumentieren


Jeder Compliance-Vorfall erfordert eine eigene Bewertung und Reaktion. Unsere Krisenmanagement-Checkliste zur Mitarbeiterkriminalität kann daher nur erste Tipps für den Umgang mit möglichen Fällen von Untreue, Korruption, Betrug oder Kartellverstößen im Unternehmen geben. Gern stehen wir Ihnen im Fall der Fälle mit unserem Rat zur Seite. Kontaktieren Sie uns!


Autoren: Christoph Manke und Bernd Guntermann, Wilhelm Rechtsanwälte

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